Das

Konzept

„Das CNR ist ein unabhängiges, interdisziplinäres Forschungszentrum mit dem Ziel, weltweit veröffentlichte wissenschaftliche Studien zu innovativen, konkurrierenden, aber auch komplementären Therapiestrategien auf dem Gebiet der traumatischen Verletzungen und degenerativen Erkrankungen des zentralen Nervensystems zu sammeln, zu evaluieren und zu vergleichen. Wir streben an, den Translationsprozess präklinischer Therapieansätze in klinische Studien zu unterstützen und signifikant zu beschleunigen — zum Wohle der Patienten.“

— Prof. Hans Werner Müller, Gründer des CNR.

Der

Hintergrund

Das weltweite rasante Wachstum wissenschaftlichen Grundlagenwissens und die schnelle Entwicklung von Technologien, haben in den letzten Jahrzenten einen exponentiellen Anstieg der Menge an wissenschaftlichen Publikationen auf dem Gebiet der Therapieentwicklung bei neurologischen Erkrankungen bewirkt. Die Gesamtheit der weltweit veröffentlichten präklinischen Daten sollte die Grundlage für die Auswahl der besten Therapiekonzepte für klinische Studien bilden.

Klinische Studien auf dem Gebiet neurologischer Erkrankungen,
und speziell der Querschnittlähmung, sind sehr komplex, zeitaufwändig und teuer.

Aus diesem Grund können nur wenige klinische Studien in einem bestimmten Zeitintervall durchgeführt werden, eine Tatsache, der nur durch fundierte Selektion der am besten geeigneten Therapieansätze Rechnung getragen werden kann. Die Durchführung einer klinischen Studie zu einem gewählten Therapieansatz der Regel aus Kostengründen nicht, weitere konkurrierende Therapieansätze zu verfolgen. Somit kann die Entscheidung zur Durchführung einer weniger Erfolg versprechenden klinischen Studie zu einer folgenschweren Verzögerung von Therapieentwicklungen führen.

Obwohl sich die Informationstechnologie (IT) rasant entwickelt hat, wird sie bislang kaum zur automatisierten Auswertung wissenschaftlicher Publikationen eingesetzt, die meist immer noch von biomedizinischen Wissenschaftlern manuell bearbeitet werden. Diese zeit– und personalintensive Methode ist allein wegen der exponentiell ansteigenden Informationsflut ungeeignet, wie sich für die Therapieentwicklung bei traumatischen Verletzungen des zentralen Nervensystems (ZNS) zeigen läßt.

John Naisbitt, 1982

We are drowning in information,
but starved for knowledge.

Das Problem der

Informationsflut

Das Wissen, das aus biomedizinischen Experimenten entsteht, wird erst durch die Veröffentlichung in Fachjournalen für die Forschergemeinschaft zugänglich und somit zu wertvoller Information. Zur Zeit werden neurowissenschaftliche Daten in etwa 500 verschiedenen Fachzeitschriften veröffentlicht. Auf dem Gebiet der traumatische Hirn– und Rückenmarksverletzung sind zur Zeit etwa 140.000 Publikationen über die öffentlichen Publikationsdatenbanken PubMed® und GoPubMed® zugänglich.

 

 

Die Anzahl der Publikationen auf diesem Gebiet nahm in den letzten 20 Jahren rapide zu und erreichte 2011 einen Stand von jährlich über 8.000 Publikationen. Ein Neurowissenschaftler, der auf diesem Gebiet arbeitet, müßte demnach täglich etwa 22 neue Publikationen durcharbeiten (ca. 22 Stunden Arbeitsaufwand) und das erlangte Wissen in eine Datenbank einspeisen, um dieses verwenden zu können. Diese Leistung ist offensichtlich nicht mehr zu stemmen. Daher muss eine informationstechnische Lösung gefunden werden, um forschende Neurowissenschaftler zu unterstützen. Aktuelle IT Entwicklungen bieten das Potential hierfür.

Die Frage der

Gewichtung

Neben der Herausforderung durch die Informationsflut auf dem Gebiet der neuroregenerativen Therapieentwicklung stellt die objektive Ermittlung der klinischen Relevanz, Durchführbarkeit, Verlässlichkeit und voraussichtlichen Erfolgschance einer präklinischen Therapie ein entscheidendes Problem dar.

Welche Voraussetzungen sollten erfüllt sein, um eine präklinische Therapie für eine
klinische Studie auszuwählen und anderen Therapieansätzen gegenüber vorzuziehen?

Selbst in unserem heutigen Zeitalter digitaler Kommunikation scheint es äußerst schwierig zu sein, die Festsetzung einheitlicher Bewertungskriterien für experimentelle Therapieansätze durch die neurowissenschaftliche Gemeinschaft zu organisieren. Erst kürzlich ist es einer nordamerikanischen Gruppe gelungen, ein erstes derartiges Bewertungssystem mit großem organisatorischem und personellem Aufwand in mehreren Sitzungen eines wissenschaftlichen Beirates und in Abstimmung mit einer breiten Expertengruppe zu definieren.

 

 

 

Quelle: Kwon BK et al. (2011) A grading system to evaluate objectively the strength of pre-clinical data of acute neuroprotective therapies for clinical translation in spinal cord injury. J Neurotrauma. 28:1525-43.

 

 

Obwohl die Bewertungskriterien für einen experimentellen Therapieansatz, wie z.B. Reproduktion positiver Ergebnisse durch ein unabhängiges Labor, Übertragbarkeit der Forschungsergebnisse auf eine höhere Tierspezies etc. richtig und wichtig sind, ist dennoch die Erfüllung dieser Kriterien durch Beispielsweise ist die Reproduktion positiver experimenteller Ergebnisse durch ein unabhängiges Labor äußerst sinnvoll, aber kaum durchführbar, wenn man bedenkt, dass solch ein Labor bereits veröffentlichte Erkenntnisse nicht ein weiteres Mal publizieren könnte. Aus diesem Grund ist es unbedingt notwendig, ein unabhängiges Institut zu schaffen, das der Beschleunigung klinischer Translation dient und solche Versuche durchführen könnte.

Die Kosten der

Verzögerung von Heilverfahren

Auch für andere neurodegenerative Erkrankungen trifft diese Rechnung zu, wie z.B. für Morbus Parkinson, Multiple Sklerose (MS), Morbus Alzheimer oder Schlaganfall. Weltweit gibt es zur Zeit etwa 2,5 Millionen MS , 8 Millionen Parkinson und 20 Millionen Alzheimer Patienten (für Deutschland: ca. 130.000 MS, 350.000 Parkinson und 1 Millionen Alzheimer Patienten). Jedes Jahr erleiden etwa 200.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, der auch die dritthäufigste Todesursache darstellt.

Das CNR wird zunächst einen Fokus auf die Therapieentwicklung bei Querschnittlähmung setzen und das Spektrum neurodegenerativer Erkrankungen dann um die oben genannten neurodegenerativen Krankheiten erweitern. Aus diesem Grund ist die Förderung von erfolgversprechenden präklinischen Forschungsprojekten auf dem Gebiet der Neuroregeneration durch die schnelle und effiziente Etablierung des CNR sozio­ politisch und ökonomisch von höchster Bedeutung!

Die Brücke zwischen Grundlagenforschung und Klinik:

Das CNR

Das CNR ist ein unabhängiges, interdisziplinäres Forschungszentrum mit dem Ziel, weltweit veröffentlichte wissenschaftliche Studien zu innovativen, konkurrierenden, aber auch komplementären Therapiestrategien auf dem Gebiet der traumatischen Verletzungen und degenerativen Erkrankungen des zentralen Nervensystems zu sammeln, zu evaluieren und zu vergleichen. Mit dieser Methode sollen die erfolgversprechendsten Therapieansätze auf dem Gebiet der Querschnittlähmung, traumatischer Hirnverletzung, Multipler Sklerose, Morbus Parkinson, Alzheimer und Schlaganfall identifiziert und aus der Flut wissenschaftlicher Publikationen herausgefiltert werden.

 

 

In dem CNR Informationszentrum werden die Daten aus wissenschaftlichen Publikationen zu neuroregenerativen Therapien in einer Wissensdatenbank gesammelt, analysiert und gewichtet. Die Wissensdatenbank wird der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich gemacht, um den Informationsstand der Wissenschaftler und Ärzte signifikant zu erweitern. Nur durch die standardisierte Sortierung und Evaluierung der gesamten Literatur auf dem Gebiet präklinischer Therapieansätze kann eine Evidenz­basierte Einschätzung der Therapieverfahren erreicht werden.